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«Dichtung gibt Sinnbilder»

Die Sehnsucht nach Einheit. Das Lebensbaum-Mythologem und das Isis-Osiris-Mythologem in Robert Musils Roman «Der Mann ohne Eigenschaften»

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Sebastian Seidel

Die Studie untersucht die sich symbolisch in mythischen Sinnbildern ausdrückende Sehnsucht nach einem den «Zustand der Bedeutung» nicht verlassenden Leben. Der geistig-bildhafte Gehalt der Paradies- und Androgyniesymbolik erweist sich dabei sowohl für die vollzogene ästhetische Kulturanalyse als auch für das Streben der selbsterwählten Zwillinge Ulrich und Agathe nach dem «anderen Zustand» als sinngebender Grund, auf dem Musil sein mythisches Weltbild entfaltet. Durch den aktualisierten Rückgriff auf diese Sinnbilder erweckt Musil durch seine leitmotivische Erzählweise, durch die Baum-Analogien des Lebensbaum-Mythologems und die Mond-Analogien des Isis-Osiris-Mythologems, verborgene Elemente einer gleichnishaft sich ausdrückenden Form der Rationalität, um zu einem erweiterten Verständnis des Logos und einem Ausgleich der Polaritäten des Lebens (Wissen-Glauben, Gewalt-Liebe etc.) zu gelangen.
Aus dem Inhalt: Die Sehnsucht nach Einheit als ästhetisches Programm – Musils Aktualität bei der Frage nach der Rationalität, Autonomie und Gegenwärtigkeit des Mythos – Musils Suche nach «Fragmenten einer Lebenslehre» – Musils Auseinandersetzung mit dem «nicht-ratioiden Gebiet» in seinen Essays sowie seinen Erzählungen – Die leitmotivische Verwendung des Lebensbaum-Mythologems und des Isis-Osiris-Mythologems im «Mann ohne Eigenschaften».