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Strafe und Textproduktion

Apologetisches Bekenntnis und literarische Kompensation: Diskurse über Lagerhaft

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Sebastian Prieß

Mit der Ausübung von Strafe wird eine Produktion von Texten «angeregt». Dieser Zusammenhang wird anhand einer größeren Anzahl von russischen und deutschen Texten veranschaulicht. Zwei literarische Dokumente bilden das Zentrum der Analyse: der hochoffiziöse Kollektivband Belomorsko-Baltijskij Kanal imeni Stalina. Istorija stroitel’stva (Weißmeer-Ostsee-Kanal «Stalin». Geschichte des Kanalbaus) sowie der Erzählzyklus Kolymskie rasskazy (Geschichten aus Kolyma) des repressierten Autors Varlam Šalamov. Literarische Texte über Strafe vermitteln einerseits das Bild des sich schuldig bekennenden Delinquenten, der die Legitimität der strafenden Instanz garantiert, andererseits können sie als Reaktion auf Strafwillkür auch eine kompensierende, identitätsrettende Funktion erhalten.
Aus dem Inhalt: Strafe als Schreibanlass – Traditionen verschiedener Strafmodelle in der sowjetischen Strafpolitik – Zur Diskrepanz der offiziell propagierten Strafkultur in der Sowjetunion – Das Kollektivbuch Belomorsko-Baltijskij Kanal imeni Stalina. Istorija stroitel’stva – Der Erzählzyklus Kolymskie rasskazy von Varlam Šalamov – «Kampf» der Texte und Bilder: Der Strafdiskurs der 20er und 30er Jahre als Austragungsort ideologischer Auseinandersetzungen politischer Systeme.