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Die Prozesse gegen die Landvolkbewegung in Schleswig-Holstein 1929/32

Ein Beitrag zur Justizkritik in der späten Weimarer Republik

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Nils Werner

Die Arbeit verfolgt vier Ziele. Zunächst sollen die gegen die Landvolkbewegung geführten Prozesse typisiert werden und bestimmten Kategorien zugeordnet werden. Es erweist sich dabei, daß im wesentlichen zwei verschiedene Arten von Prozessen geführt worden sind. Dabei handelt es sich zum einen um die sog. genuinen Landvolkprozesse und zum anderen um Verfahren gegen einen aktivistischen Kern «landfremder», völkischer Personen. Im Gefolge dieser Typisierung wird eine Neubewertung der quantitativen gerichtlichen Verfolgung der Landvolkleute vorgenommen. Nach dem Abstecken dieser allgemeinen Parameter wird die Reaktion der Provinzregierung in Schleswig auf die Bauernunruhen näher untersucht. Im Gegensatz zur verbreiteten Ansicht, hauptsächlich strukturelle Schwierigkeiten hätten die Landvolkbewegung zum Entstehen gebracht, wird versucht zu zeigen, wie sehr die Eskalation der Situation von der Person des jeweiligen Regierungspräsidenten abhing.
Abschließend werden die Prozesse in die Justizkritik Gottfried Zarnows in seiner «Skandalschrift» Die Gefesselte Justiz eingeordnet. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, daß jedenfalls in bezug auf die Landvolkprozesse die Darstellung Zarnows in großen Bereichen einem berechtigten Anliegen folgte und daß eine rechtshistorische Untersuchung seine Justizkritik vorsichtiger als bisher zu bewerten hat.
Aus dem Inhalt: Forschungsstand – Kapitel I: Die Landvolkbewegung in Schleswig-Holstein – Die Ausgangslage der Landwirtschaft im Jahr 1928 – Der Beginn der Bauernunruhen 1928/29 – Organisationen und Institutionen der Landvolkbewegung – Kapitel II: Die Prozesse gegen die Landvolkbewegung – Die Landvolkprozesse als politische Prozesse – Die einzelnen Prozesse 1929/32 – Die Bewertung der Gerichtsverfahren.