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Lippisches Judenrecht und der Schutz der Juden in den Zivilprozessen der lippischen Obergerichte im 19. Jahrhundert

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Ursula Bachem-Niedermeier

Es gibt nur eine vergleichsweise geringe Anzahl detaillierter Publikationen über die rechtlichen Verhältnisse der Juden in Deutschland in den Jahrhunderten vor dem Nationalsozialismus, noch weniger Studien beleuchten die tatsächliche Rechtspraxis in den deutschen Territorien zu dieser Zeit. Diese Arbeit soll mit dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Untersucht wurde exemplarisch das in dem Kleinstaat Lippe geltende Judenrecht in dem Zeitraum von 1648 bis zur Gleichstellung der Juden im Jahr 1869. Ausgewertet wurden ferner Zivilprozesse mit jüdischer Beteiligung vor den lippischen Obergerichten aus den Jahrzehnten vor der Gleichberechtigung. Dabei wurden die Rechtswirklichkeit und die Rolle der Rechtsprechung bei der Ausgestaltung der rechtlichen Position der Juden zu dieser Zeit untersucht. Das neunzehnte Jahrhundert ist gekennzeichnet durch einen europaweiten Emanzipationsprozess der Juden, dessen Auftakt im letzten Drittel des achtzehnten Jahrhunderts liegt. Gleichzeitig ist es das Jahrhundert der Ideen von Nationalismus, Antisemitismus und Rassenhass sowie von Pseudowissenschaften wie Physiognomik und Phrenologie.
Aus dem Inhalt: Rechtliche Stellung der Juden in Lippe von 1648 bis zur 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts – Judenemanzipation und antijüdische Strömungen – Emanzipationsbestrebungen der lippischen Regierung – Die Entwicklung des lippischen Judenrechts bis zur Gleichstellung 1869 – Juden vor den lippischen Obergerichten im 19. Jahrhundert – Zuständigkeit der staatlichen Gerichte – Anwendbares Recht – Zeugnisfähigkeit – Warenhandel – Kredithandel – Beweisrecht (Judeneid) – Konkurrierende Zuständigkeit.