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Natur und Fatum

Inzest als Motiv und Thema in der französischen und deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts

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Hartmut Nonnenmacher

Auffällig oft werden in literarischen Texten des 18. Jahrhunderts - von Montesquieus Lettres persanes bis hin zu Goethes Wilhelm Meister oder Sades Crimes de l’amour - inzestuöse Beziehungen dargestellt. Diese Untersuchung zeigt auf, daß die Geschichte des Inzestmotivs in der Aufklärungsepoche entlang zweier verschiedener Stränge verläuft: Bewußt eingegangener Inzest wird von den Autoren der Aufklärung im Zusammenhang mit der naturrechtlichen Neubegründung der Moral thematisiert, unwissentlich begangener Inzest dagegen gibt ihnen Anlaß zur Reflexion über die Rolle des Fatums in der vermeintlich «besten aller Welten». Durch die Kontrastierung der französischen und der deutschen Entwicklung des Motivs werden zudem signifikante Unterschiede im Charakter der Aufklärung in den beiden Kulturräumen deutlich.
Aus dem Inhalt: Antike und mittelalterliche Gestaltungen des Inzestmotivs – Inzest im Spannungsfeld zwischen «loi civile» und «loi naturelle»: Die Infragestellung des Inzesttabus im Zuge der naturrechtlichen Neubegründung der Moral durch die Aufklärung – Drohender oder vollendeter unwissentlicher Inzest als Handlungselement in Drama und Roman des 18. Jahrhunderts: Die Verbindung des Inzestmotivs mit der Fatalitätsthematik – Das Inzestmotiv im Umbruch von der Aufklärung zur Romantik – Ausblick auf spätere Entwicklungen des Motivs.