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Die Gestalt des Pontius Pilatus in Legende, Bibelauslegung und Geschichtsdichtung vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit

Literaturgeschichte einer umstrittenen Figur

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Scheidgen

Pontius Pilatus ist eine der zwiespältigsten Figuren der christlichen Heilsgeschichte: Nach biblischer Darstellung verurteilte er Jesus zur Kreuzigung, obwohl er dessen Unschuld erkannte. Die Studie analysiert die theologischen Aussagen über Pilatus in Bibelexegese und Lehrdichtung. Sie verfolgt ferner Rezeption und Weiterbildung apokrypher Überlieferungen in der Legenden- und Geschichtsepik. Die Auswertung lateinischer Summen und Kompendien läßt Traditionsgebundenheit und Eigenständigkeit der untersuchten volkssprachlichen Werke gegenüber der kirchlichen Lehre erkennen. Deutlich wird die extreme Bandbreite der Auffassungen: Der Gottesfeind der Legende konnte zugleich Wahrheitszeuge christlicher Verkündigung sein. Textnahe Interpretationen arbeiten die paradigmatische Bedeutung dieser biblischen Gestalt für Frömmigkeit und Spiritualität, aber auch für das Verständnis von Herrschaft und Geschichte in Mittelalter und früher Neuzeit heraus.
Aus dem Inhalt: Pilatus in geistlicher Lehre und Wissenschaft des Mittelalters – Die Legende vom Gottesfeind – Pilatus und Judas – Gottesfeind, ‘Bankert’, Vorbild. Leitlinien in der Rezeption der Pilatuslegende vom Hoch- zum Spätmittelalter – Pilatusbilder aus biblischer Überlieferung in geistlicher und lehrhafter Literatur der Volkssprache – Pilatus als Exempel in der Stände- und Herrscherdidaxe.