Show Less
Restricted access

Vladimir der Heilige

Eine Erinnerungsfigur der russischen Geschichtsdichtung des 18. Jahrhunderts

Series:

Dietger Langer

Vladimir der Heilige, dessen Name in besonderer Weise mit der 988 offiziell erfolgten Taufe Russlands in Verbindung steht, zählt als Geschichtsmythos zum festen Bestandteil des nationalen Selbstverständnisses der Russen und Ukrainer. Die Mythisierungsstufen dieser Herrschergestalt werden daher so thematisiert, daß die Identitätstendenzen des Nationalen und die Funktionalität der Vertextung des Vladimir-Stoffes sichtbar werden. Zwar setzt der Mythisierungsprozeß in der altrussischen Literatur ein, doch erst in der Frühaufklärung wird diese Erinnerungsfigur zum Idealbild eines christlichen Monarchen stilisiert. Später eignet sich das Leben Vladimirs als adäquater historischer Stoff für klassizistische Tragödien, und unter dem Einfluß des Freimaurertums wird die literarische Mythopoiesis des «politischen» Heiligen im allegorischen Epos verortet.
Aus dem Inhalt: Die ästhetische Säkularisierung des sakralisierten Vladimir – Die Transfiguration Vladimirs vom Despoten zum Idealbild eines christlichen Herrschers – Die Instrumentalisierung Vladimirs für die freimaurerische Ideologie.