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Der gespaltene Eros

Platons Trieb zur «Weisheit»

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Steffen Graefe

Die platonische Lehre vom Eros hat das abendländische Denken bis zu seinen psychoanalytischen Interpretationen maßgeblich beeinflußt. Graefe beschreibt den Eros als einen Grundtrieb, der als Sexus, ebenso wie als «Sehnsucht nach Weisheit» das Menschsein bestimmt. Dabei entlarvt er seinen schon bei Platon «gespaltenen» Charakter, der den Interpreten entgangen ist: Sein Ort ist nicht nur zwischen Wissen und Nicht-Wissen, sondern er bezeugt eine Unruhe, welche geradezu «sadomasochistisch» anmutet. Im «Geburtsmythos» des Eros werden seine Eltern - Poros und Penia - als die zwei Seiten bestimmt, die ihn prägen: Zwischen Macht und Ohnmacht sucht sich der Mensch in einer angeblichen «Weisheit» zu versichern. Die platonische Philosophie entpuppt sich als ein «höherer Sophismus», der die Seelenruhe des «Weisen» gegen die Unruhe der «Liebe zur Weisheit» ausspielt. Das sokratische Erbe wurde von Platon verraten...