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Der erzählende Musiker

Untersuchung von Musikererzählungen des 19. Jahrhunderts und ihrer Bezüge zur Entstehung der deutschen Nationalmusik. Mit einer Bibliografie der Musikererzählungen des Zeitraums 1797 bis 1884

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Jörg Theilacker

Ab 1800 treten sie schlagartig und gehäuft auf: gescheiterte Musiker, Dilettanten, Versager. Diese Negativhelden dominieren ein knappes Jahrhundert lang die musikalische Künstlererzählung.
Musikererzählungen handeln vom musikalischen Geschlechterkampf, von Kastraten, von der Zerstörung der Sängerinnen und der instrumentellen Aneignung ihrer Gesangsstimme durch die Männer. Den völlig disparaten Musikern gelingt die künstlerische Produktion erst im Nacherzählen ihres Scheiterns. Dabei ist ihre Lebensgeschichte story und history zugleich: Der künstlerische Zusammenhang der story kittet die Trümmer der history. Erzählen wird zur Therapie.
Der Schritt vom gescheiterten Musiker zum erfolgreichen Erzähler ist ein Politikum: Die Musiker erzählen aus Leibeskräften gegen die musikalische «Unterdrückung» durch die Italiener an und plädieren für eine selbständige deutsche Musikszene: Musikererzählungen sind die Ersatzdroge für die fehlende «musikalische deutsche Nation».
Aus dem Inhalt: Erzählmodell: Rivalität der Erzähler - Erzählen vs. Musizieren - Interpretation «Ritter Gluck»
Musikmodell: Natur vs. Kunst - Vokal vs. instrumental - Aneignung des Weiblichen - Sängerinnen und Kastraten - Männersologesang und Liedertafeln - Substitutionskette.
Poetikmodell: Italienischer vs. deutscher Gesangsstil - Wirkungssteigerung - Musizieren - Erzählen: Deutsche Nationaloper und Nationalmusik.