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Der Körper des Turmes

Essays zur europäischen Literatur von Schiller bis Valéry

Peter Por

Angelpunkt der vorliegenden Essays ist ein Begriff, den Hebbel geprägt hat: die «Philosophie der Form». In einem geschichtlich wie sprachlich breiten Material und auch in methodologischer Vielfalt stellt jeder Essay einen Versuch dar, in der Formgestalt diese Philosophie als eine Etappe der modernen Kunst und gewissermassen auch des modernen Denkens zu begreifen; sei es in einem einzelnen Werk, in der Entwicklung eines Dichters, in einer lyrikgeschichtlichen Wende, in der gemeinsamen und originären Dramaturgie mehrerer Stücke oder im herrschenden Stil einer Periode. Die Essays befassen sich überwiegend mit der Literatur, aber mit stetigem Ausblick auf die anderen Künste und auch auf die Philosophie. In den verschiedenen, betont werknahen Analysen kehren stets kardinale Begriffe wieder: der Verlust der Transzendenz, die orphische Mythisierung des Künstlers und des Kunstwerkes, die Problematisierung der Künstler-Rolle und des Werkes, der paradoxale Charakter der modernen Formgebung, die fortwährende Thematisierung der Schöpfung von Raum und Zeit im Werk.
Die Essays in ihrer Gesamtheit bieten eine konzeptionell kohärente Darstellung von Konflikten und Lösungen der modernen Kunst in der Periode zwischen der Aufklärung und dem Aufbruch der Avantgarde.
Aus dem Inhalt: Schiller: «Spiel des Schicksals» oder Spiel der Vernunft - Verrätselung: Perspektiven eines poetischen Verfahrens bei Gérard de Nerval und Theodor Storm - Baudelaire: Chant d'automne I. Konkreta Abstrakta Raum Zeit - «Zum Raum wird hier die Zeit»: Das Beispiel Jugendstil - Zwei Augenblicke auf der Wiener Szene: Hofmannsthal: Der Rosenkavalier, Schnitzler: Der grüne Kakadu - Valéry und Hofmannsthal: Interpretation eines Unverständnisses - Paradigmawechsel: der gemeinsame Anfang von George, Hofmannsthal und Rilke - Ein Symbolist aus Ost-Europa: Endre Ady - Lukács und sein Sonntagskreis: ein unbekanntes Kapitel aus der Geschichte des europäischen Geistes - Nietzsche und Rilke: die Verwandlungen des Orpheus.