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Rassentheorien zwischen Mythos und Tabu

Der Beitrag der Sozialwissenschaft zur Entstehung und Wirkung der Rassenideologie in Deutschland

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Frank Thieme

Im zeitgeschichtlichen Klima von Kulturpessimismus und biologistischen Gesellschaftstheorien breitete sich um die Wende vom 19. zum 20. Jh. nicht allein in Deutschland rassentheoretisches Denken aus. Die Bevölkerungswissenschaft war damals - ähnlich wie heute - keine eigenständige Wissenschaft. Sie wurde überwiegend von Medizinern aber in zunehmendem Masse auch von Sozialwissenschaftlern betrieben und war - von den zeitspezifischen gesellschaftlichen Fragen der Zeit geprägt - vor allem an politischer Umsetzung ihrer Forschungsresultate interessiert. Unter dem Einfluss wachsender Probleme - Geburtenrückgang, Armut, Asozialität, Überfremdung - gerieten Theorien und praktische Massnahmen zur Volksgesundung ins Blickfeld. Eine an Erb- und Rassenhygiene einerseits und praktischer Bevölkerungspolitik andererseits orientierte Bevölkerungswissenschaft hörte 1933 nicht auf, sondern erfuhr die gewünschte Anerkennung. Zu lange ist diese Entwicklung - im Rückspiegel der Tabuisierung - für unmöglich erklärt worden.
Aus dem Inhalt: u.a. Zur institutionellen Entwicklung von Bevölkerungswissenschaft und Soziologie bis 1933 - Der Wandel der Wissensproduktion - Kulturkritik und Sozialdarwinismus - Rassentheorien in der Bevölkerungswissenschaft - Soziologische und praktisch orientierte Bevölkerungsforschung - Die zeitbedingte Wissenschaftlichkeit von rassentheoretischer Bevölkerungsforschung.