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«Entartete Zeiten»

Randbemerkungen zum Modell eines Befreiungskrieges

Series:

Charlotte Niederstrasser

«Die Zeiten...sind entartet» - diese bei einer Nahaufnahme von Heinrich von Kleists «Die Hermannsschlacht» (1808) wiederentdeckte Klage (III 3) durchzieht leitmotivisch des Autors «Randbemerkungen zum Modell eines Befreiungskrieges.» Sein Held konzentriert seine Kriegführungspsychologie und -strategie in der Parole der «Hermannsschlacht»: «Hass ist mein Amt und meine Tugend Rache» (IV 9).
Ihre Wirkungsgeschichte in der Praxis eines archaisch-barbarischen Kriegerethos wird exemplifiziert an Formen der «Entartung» des Politischen, Erzieherischen, Rechtlichen, Militärischen, wenn die totalitäre Rassen- oder Klassenkampfideologie eines «Befreiungskrieges» Rache-Moral provoziert, Freund-Feind-Politik monopolisiert, Feinde zu Massenmordopfern von Holocaust und GULag stigmatisiert. Eine Rechts- und Friedenskultur erscheint als Gegenwartsaufgabe pragmatisch-politischer und -militärischer Vernunft, die auch Handlungsräume freiheitlicher Sicherheits- und Verteidigungspolitik wehrhafter Demokratie eröffnet.
Aus dem Inhalt: «Freiheit, Vaterland und Rache» in Heinrich von Kleists «Die Hermannsschlacht» (V 9): zeithistorische «Befreiungskrieg»-Passion, politideologische Feindbild-Indoktrination, verfassungspatriotische Rechtsstaat-Konfession. - «Der Schlaf/Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer» (Francesco Goya).