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Von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit?

Untersuchungen zur Interdependenz von Individualdichtung und Kollektivlied

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Waltraud Linder-Beroud

In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, die Entwicklung der Mündlichkeit-Schriftlichkeits-Problematik nachzuzeichnen. Beim Vergleich mündlicher und schriftlicher Traditionen ist der Wert der mündlichen Überlieferung von der Volksliedforschung lange überschätzt worden. Während die Romantik im Volk den anonymen Urheber und Träger folkloristischer Traditionen sah und die Mündlichkeit generell zum Postulat der Folklore erhob, hat die philologisch-positivistisch orientierte Rezeptionsforschung des späten 19. Jahrhunderts nachgewiesen, daß viele «Volkslieder» nichts anderes als popularisierte Kunstlieder sind und damit der Schriftlichkeit einen hohen Stellenwert eingeräumt. Die Produktions- und Rezeptionsprozesse sind jedoch viel komplexer und vielschichtiger, als man dies in der älteren Forschung angenommen hat. Der Popularisierungsprozeß eines Liedtextes verläuft nicht eingleisig, sondern in permanenten Wechselbeziehungen zwischen schriftlich-literarischem Schaffen und mündlich-gedächtnismäßiger Überlieferung.
Aus dem Inhalt: Die Volksliedforscher Ludwig Uhland und Hoffmann von Fallersleben - Zur Entwicklungsgeschichte der Rezeptionstheorie - Das Deutsche Volksliedarchiv in Freiburg - Zur mündlichen Rezeption einer mittelalterlichen Schwankballade - Die Liedflugschrift als Medium zur Popularisierung der Schriftkultur - Das volkstümliche Kunstlied der Goethezeit etc.