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Alte und neue Sprechweisen

Untersuchungen zur Sprachthematik in den Gedichten Hugo von Hofmannsthals

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Jost Schneider

Sprachskepsis erscheint in den Werken Hugo von Hofmannsthals stets als charakteristisches Phänomen kulturell 'depravierter' Epochen, in welchen die durch sprachgestalterische Kompetenz legitimierte Autorität des Dichters in Frage gestellt ist. Eine Überwindung dieser Skepsis kann deshalb nach Hofmannsthals Auffassung nicht aus der Kaprizierung auf magisch-mystische Praktiken der Sprachintensivierung hervorgehen, wie sie sich aus symbolistischen und impressionistischen Gestaltungsweisen gewinnen lassen. Vielmehr muß - immer nach Hofmannsthal - im Sinne einer kausalen (und nicht bloß symptomal-kompensatorischen) «Therapie» nach Möglichkeiten der Antizipation und der Herbeiführung einer neuen geschichtlichen Konstellation gesucht werden, in der die Veranlassung zur Ausbildung von Sprachskepsis beseitigt und schließlich auch die Autorität des Dichters neu konstituiert sein soll. Schon Hofmannsthals lyrisches Frühwerk ist vom Engagement für diese universalhistorische Mission geprägt, wobei die sprachliche Gestaltung seiner Gedichte vielfach die paradoxe Situation des Dichters in dürftiger Zeit reflektiert, der in einer als depraviert empfundenen Sprache für die Aufhebung der Bedingungen dieser Depravation streitet. Vor allem in Hofmannsthals «Lebenslied», welches in der vorliegenden Studie - neben zahlreichen anderen Gedichten - einer ausführlichen Neuinterpretation unterzogen wird, findet diese Vorstellung ihren adäquaten poetischen Ausdruck.
Aus dem Inhalt: Sprachliche und geschichtliche Krisensituation - Resistenz der 'idealen' und Ephemerität der 'depravierten' Sprechweisen - Untauglichkeit der 'stummen Künste' zur Behebung der sprachlichen Krise - Formen der lyrischen Antizipation einer 'neuen Antike'.