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Literarischer Nominalismus im Spätmittelalter

Eine Untersuchung zu Sprache, Charakterzeichnung und Struktur in Geoffrey Chaucers "Troilus and Criseyde</I>

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Richard J. Utz

Innerhalb der philologischen Deutungen von Chaucers Troilus and Criseyde existieren eine Reihe kontrovers diskutierter Problemstände, etwa die proverbiale Redeweise des Pandarus, die Charakterzeichnungen der Criseyde und des Troilus oder die Spannungen zwischen der Haupthandlung und dem sogenannten Epilog. Bisherige methodische Ansätze, die meist auf Beobachtungen früh- und hochmittelalterlicher oder gar antiker Sprach- und Denktheorien basierten, konnten die erkannten Widersprüchlichkeiten keiner befriedigenden Lösung zuführen. Die diagnostizierte Defizienz vor allem allegorisch-exegetischer beziehungsweise boethianischer Erklärungsversuche wird in der vorliegenden Untersuchung durch die Konfrontation des literarischen Werkes mit einer ihm synchronen spätmittelalterlichen Kulturkonstituente, der philosophischen Denkbewegung des Nominalismus, überwunden. Das Einbringen dieser Folie des bestimmenden philosophischen Superstrats des 14. Jahrhunderts erhellt die spezifisch spätmittelalterliche Eigenart von Chaucers Werk. Die genannten Aporien der Forschung hinsichtlich Sprache, Charakterzeichnung und Struktur werden als Ausprägungen eines originellen, literarischen Nominalismus des Dichters erklärbar.
Aus dem Inhalt: Die Proverbien des Pandarus und Chaucers Abstraktionskritik - Von der Allegorie zum psychologischen Realismus: Die Charakterzeichnung Criseydes - Literarischer Nominalismus als Anti-Wycliffismus: Die Charakterzeichnung des Troilus - Die Trennung der Wahrheiten - Chaucers Spätmittelalterlichkeit als Modernität bzw. Alterität.