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Probleme der Epochenkonstituierung des Expressionismus

Diskussion von Thesen zur epochenspezifischen Qualität des Utopischen

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Manfred Gehrke

Neben der Dissoziationserfahrung wird von der Forschung in erster Linie das Utopiemoment als epochenspezifisches Merkmal des Expressionismus insbesondere im Hinblick auf die Gattung des Dramas und bezüglich der Manifeste und Programmschriften genannt. Die vorliegende Arbeit bemüht sich demgegenüber um den Nachweis, daß weitverbreitete Pauschalurteile dieser Art modifizierungsbedürftig sind. Zur adäquaten Erfassung der vielschichtigen expressionistischen Positionszusammenhänge ist eine differenziertere Beschreibung von teils divergierenden Einzeltendenzen geboten. Zudem wird gezeigt, daß utopische Entwürfe gleichen Gehalts und die entsprechenden Gegenkonzepte bereits seit dem Naturalismus das Feld der literarischen Gestaltung in Programmatik und Drama bestimmen. Insofern wird mit der vorliegenden Analyse der herrschenden Forschungsmeinung sowohl im Hinblick auf die Thesen zur epochentypischen Qualität als auch hinsichtlich der Behauptung des epochendistinktiven Stellenwerts von utopischen Entwürfen widersprochen. Vor dem Hintergrund konkurrierender Strömungen vom Naturalismus bis zum Expressionismus werden die traditionellen Epochentermini selbst problematisch.
Aus dem Inhalt: Begriffsbestimmungen: Utopie, Quasi-Utopie, Resignation, Gegnwelt, Anti-Utopie - Utopie im Naturalismus - Utopische Entwürfe in der Literatur um 1900 - Strömungsdifferenzierung des Expressionismus nach dem Utopiekriterium.