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Schreber, Freud und die Suche nach dem Vater

Über die realitätsschaffende Kraft einer wissenschaftlichen Hypothese

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Gerd Busse

«Obwohl sie auf einem Hypothesengebäude ruht, das schon bei einer ersten, oberflächlichen Inspektion in sich zusammenbricht, obwohl das Datenmaterial (...) den theoretischen Bedürfnissen entsprechend selektiert, manipuliert und sogar gefälscht wurde, und obwohl der allgemeine Satz, der sich aus der Theorie ergibt, (...) als empirisch widerlegt gelten kann - kurzum: obwohl nichts dafür spricht, daß diese Theorie wahr ist oder etwas mit 'Wissenschaft' zu tun haben könnte, hält sie sich seit achtzig Jahren zäh am Leben, ja erfreut sich sogar größter Hochachtung.» Gemeint ist die Studie Sigmund Freuds über den «Fall Schreber», ein Fall, der Freud als Grundlage für seine Paranoiatheorie diente. Die vorliegende Arbeit rekonstruiert, mit Hilfe neuer biographischer Funde, den «Fall Schreber» vor dem Hintergrund der Theoriebildung - mit verblüffenden Ergebnissen. Der Autor zeigt, daß es im Verlauf dieser Theoriedebatte kaum ein biographisches Detail gegeben hat, das nicht im Prokrustesbett der Theorie «passend» gemacht wurde. Nicht zuletzt dadurch sind der Forschung wichtige biographische Hinweise entgangen, die den Fall Schreber plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Aus dem Inhalt: Zur Biographie Daniel Paul Schrebers, seines Vaters Moritz und seines Bruders Gustav - Freud und der «Fall Schreber» - Psychoanalytische und nicht-psychoanalytische Deutungen - Exkurs: Freud, Wissenschaftler oder Literat? - Gustav, Lues und die Angst vor «Hirnerweichung» - Schreber, Flechsig und die Politik der Leichen.