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Distanz ohne Pathos

Die Kritik des Bildungsgedankens im Desillusionsroman Honoré de Balzacs

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Ingo Werner

Seit der Aufklärung zielt der Subjektbegriff der Pädagogik auf Autonomie des Menschen. Die vorherrschende Form der Erfahrung in der Moderne ist jedoch das Gefühl der Entfremdung. Als Reaktion darauf verlagern sich die Hoffnungen auf Selbstverwirklichung in die Dimension des individuellen Lebensstils. Demgegenüber beschreibt der Balzacsche Desillusionsroman latente Interdependenzen von Geschmack und sozialer Macht, an der individuelle Emanzipationsbemühungen häufig scheitern. Balzacs literarisch formulierte Einsicht wird in dieser Studie vertieft und ergänzt durch geschmackstheoretische Überlegungen Friedrich Nietzsches und durch alltagssoziologische Studien Pierre Bourdieus. Dies geschieht mit der Absicht, ein strukturelles Defizit der pädagogischen Diskussion stärker als bisher ins Bewußtsein zu heben.
Aus dem Inhalt: Aufklärung und Pädagogik - Roman und bürgerliche Lebensform - Massengesellschaft und Romantik - Identitätskrise - Macht als Ursprung der Kultur - Ästhetisierung des Selbst - Integration durch Differenz - Soziale Wahrnehmung - Kultur als Kapital.