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Die verschwiegene Dichtung

Reden, Schweigen, Verstummen im Werk Robert Walsers

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Joachim Strelis

«Sanftes und zorniges Instrument, das ich bin, und ich rede, und in allem Reden breitet sich eine Steppe der Stummheit aus, und ich kann schweigen, und es ruft in einem fort laut daraus auf.» Mit diesen fast programmatischen Sätzen skizziert Walser eine zentrale Idee seines Werkes: die unauflösliche Einheit von Reden und Schweigen. Es gilt eine Sprache zu gestalten, die ihre Identität in sich selber findet und nicht in einem von ihr Bezeichneten. Diesem Experiment folgt die Untersuchung. Sie interpretiert nicht, was Walser sprachgewandt verschweigt, sondern zeichnet Strukturen nach, die ein Erzählen am Rande des Nicht-Erzählens ermöglichen. Die Entwicklung des Walserschen Werkes wird erkennbar als eine poetische Einübung ins Schweigen: Indem Walser alle Festschreibungen, Bedeutungen und Formen flieht, zerstört er dichtend das Gedichtete, löscht er schreibend die Schrift.
Aus dem Inhalt: Wie gelingt es Walser, in der Sprache und mit ihr zu schweigen? - Was übertönt und was offenbart die Melodie seiner «Geschwätzigkeit»? - Läßt sich Walsers vorzeitiges Verstummen - auch sein vermeintlicher «Wahnsinn» - aus dem unlösbaren Widerspruch seiner Dichtung ableiten?