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Politik und Liebe in der Literatur des englischen Spätmittelalters am Beispiel von Thomas Malorys «Morte Darthur»

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Christoph Houswitschka

Politische Interpretationen von Liebe/Ehe in arthurischen Werken sahen bisher einen Treuekonflikt zwischen König und Vasallen ( courtly love) oder sie zogen Vergleiche zur Heiratspolitik des Adels. Auf der Grundlage des politischen Denkens (Fortescue), der Historiographie (Hardyng), der Propaganda der Rosenkriege, literarischer Werke (Chaucer, Weddynge of Sir Gawen) und neuester Arbeiten zum Patronatssystem (Bean) kommt die vorliegende Arbeit zu einer neuen Interpretation des Morte Darthur. Im Unterschied zu den Quellen entscheidet die königliche Eheschließung, ob die Herrschaftsordnung beständig ist. Hier wird der Konsens zwischen Nobilität und König gestiftet, von dem es abhängt, ob die Liebe der Königin zum Magnaten als Ausdruck einer für alle vorteilhaften Ordnung ( common weale) angesehen wird. Durch eine kommentierende Parallelführung der politischen Entwicklungen in Cornwall und Logres mit Liebe/Ehe gelingt Malory eine literarische Analyse der Schwächen und Stärken des Patronatssystems. Durch die Umdeutung der Gralserzählung in eine nationale Heilsgeschichte ruft er den englischen Adel auf, gegensätzliche Interessen zum Wohle aller auszugleichen und sich der Verantwortung für das Gemeinwesen zu stellen.
Aus dem Inhalt: Literatur und Politik - Patronatssystem - Politisches Denken - Konsensbildung - Common weale - Souveränitäsbegriff - Ehemetaphorik - Freundschaftsbünde - Ritterorden - Gralsgeschichte - Nationale Heilsgeschichte - Fortuna - Determination versus freier Wille.