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Naturalismus und Heimatkunst bei Clara Viebig

Darwinistisch-evolutionäre Naturvorstellungen und ihre ästhetischen Reaktionsformen

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Barbara Krauss-Theim

Das Nebeneinander naturalistischer und heimatkünstlerischer Motive in den Texten Clara Viebigs bereitete der bisherigen Forschung Schwierigkeiten. Ausgehend von einer grundlegenden Bedeutung des Darwinismus für das Weltanschauungsdenken der Jahrhundertwende, werden in dieser Studie nun beide literarischen Strömungen in einem umfassenden Bewußtseinshorizont verankert und erscheinen als ästhetische Reaktionsformen auf einen gemeinsamen, darwinistisch geprägten organisch-evolutionären Naturbegriff. Die im Naturalismus entwickelten Naturvorstellungen wurden von der Heimatkunstbewegung aufgegriffen, mit kulturkonservativen Implikationen versehen und bereiteten so den Weg zu völkisch-rassebiologischem Denken. In den Romanen und Erzählungen Clara Viebigs manifestiert sich die sukzessive Ideologisierung der Natur in der Figurenkonzeption, den Handlungsverläufen und vor allem in der Metaphorik. Daß die Autorin an sämtlichen bewußtseinsgeschichtlichen Rückversicherungen ihrer Zeit teilhatte, belegt auch das hier erstmals ausgewertete, weitgehend unveröffentlichte biographische Quellenmaterial.
Aus dem Inhalt: Forschungsbericht - Clara Viebig: Eine biographische Studie - Darwinismus als monistische Weltanschauung (Haeckel) - Verweltanschaulichung der Ästhetik (Bölsche, Lienhard) - Lebensreform und konservative Kulturkritik (Langbehn) - Naturreligiosität - Natur- und Agrarromantik - Natur als Heimat - Natur als chthonische Macht - Darwinistischer Individualismus und Biologisierung der Gesellschaft.