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Die Verfemte in der Literatur

Zur Darstellung der Dirne in der Erzählkunst des 19. und 20. Jahrhunderts

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Christel Roth-Müller

An der Schwelle zum 19. Jahrhundert tritt die Figur der Verfemten aus ihrer durch Sitte und Moral verordneten Schattenexistenz ins Licht der literarischen Reflexion. Sie gewinnt Relief als Exponent einer Kultur, die auf Triebverzicht gründet. Zugleich treten die Veränderungen zutage, die im Denken stattgefunden haben. Die freigesetzten erotischen Konnotationen bündeln sich zu Verehrung und Verachtung. Im Banne der gesellschaftlichen Zweckrationalität, in der Natur, Unschuld und Liebe chancenlos bleiben, rufen die Apologeten die Dirne als Zeugin auf für das Humane, als Opfer planenden Kalküls. In drei unterschiedlichen Varianten wird die Verfemte geortet zwischen männlicher Dominanz und weiblicher Hingabe, in der Verwandlung des Erotisch-Sinnlichen in eine Funktion des Verstandes, die als Reflex einer umfassenden Verdinglichung der Allmacht der Ratio entspringt.
Aus dem Inhalt: Erotik als Verführungsmacht - Die unterirdische Geschichte der Affekte - Ratio versus Sinnlichkeit - Eine Genese der Prostitution - Mythos und Realität - Askese und Sublimierung - Rationalität als Prinzip der Veränderung - Die Emanzipation der Frau - Antifeministische Tendenzen.