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Die Verdachtsstrafe in der kriminalwissenschaftlichen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts

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Brigitte Thäle

Die Abschaffung der Folter in Deutschland bewirkte eine völlige Ratlosigkeit der deutschen Strafjustiz, da zur Verurteilung eines Delinquenten zunächst nach wie vor das Geständnis oder zwei Tatzeugen gefordert wurden. Die damit nach Wegfall der Tortur beweisrechtlich bedingte Beweisnot, da ohne Tortur kaum jemand ein Geständnis ablegte, versuchten die Kriminalisten mit Hilfe der sog. «Verdachtsstrafe» zu lösen. Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit diesem Problem, wie es sich nach Abschaffung der Tortur in der deutschen Kriminalistik des 18. und 19. Jahrhundert darstellte. Ebenso versucht sie, den Übergang der Verdachtsstrafe zu den sog. Sicherungsmaßregeln zu skizzieren. Am Ende steht die Erkenntnis, daß diese sog. «Verdachtsstrafe» keineswegs aufgrund einer subjektiven Ungewißheit des Richters von der Schuld des Angeklagten verhängt wurde. Vielmehr beruhte sie auf seiner subjektiven Überzeugung von der Schuld des Angeklagten und auf einer freien Beweiswürdigung des Indizienbeweises. Sie war damit ein wichtiger Schritt in Richtung der Lehre der freien Beweiswürdigung.
Aus dem Inhalt: Problematik des Beweisrechts vor und nach Abschaffung der Tortur - Verdachtsstrafe in der Dogmatik der Kriminalisten in der deutschen Aufklärungsbewegung - Spätzeit der Aufklärungsepoche: Entwicklung der Sicherungsmaßregeln - Verdachtsstrafe in der Leopoldina und in der Preußischen Criminalordnung - Lehr- und Handbücher des 19. Jahrhunderts.