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Das Bibliomenon

Topologische Analyse des Schreibprozesses von Robert Musils «Vereinigungen»

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Heribert Kuhn

Robert Musils zweite Veröffentlichung, der Novellenzyklus «Vereinigungen», hat keinen Platz im literarischen Bewußtsein gefunden. Ihrer Nichtexistenz entspricht die Emphase, mit der die Forschung - als sei ihre Aufgabe Kompensation - die Texte besprochen hat. Hier stand man nicht an, in den Novellen ein «Schlüsselwerk der Moderne» zu sehen. Hochachtung dieser Art hat Widerspruch provoziert, der Belege reklamiert. Die Untersuchung des «Bibliomenons», jener ominösen Textpassage im Zentrum der «Vereinigungen», liefert solche. Ausgehend von topologischen Strukturen, die den Duktus der Musilschen Wahrnehmung prägen, wird der Schreibprozeß der Novellen als exemplarisches poetologisches Exerzitium entwickelt, aus dessen Potential die dichterische Existenz Musils bis zuletzt schöpfte, dessen aporetischen «Knoten» sie jedoch auch nicht aufzulösen vermochte.
Aus dem Inhalt: Das Zentralmotiv der «Vereinigungen» als poetologische Chiffre von Musils Werk - Die «Sehnsucht nach dem Horizontalen» als das topologische Korrelat der «liebenden Angst» - Das Phantasma der «unendlichen Enthüllung» - Die Maskierung der «diaristischen» Schreibutopie im «Erzählprinzip der ministeriellen Bekleidungsstücke».