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Anonymus, Tractatus adversus Judaeum (1122)

Herausgegeben von Wolfgang Bunte

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Wolfgang Bunte

Im 11. Jahrhundert hatten die Kirche und viele Christen die Wiederkunft Christi zum Gericht erwartet. Man wollte ihm den Weg bereiten. Eine Reformbewegung großen Ausmaßes sollte dazu führen. Durch Papst Gregor VII. sollte die Kirche von aller weltlichen Gewalt befreit werden. Aber den Gläubigen bereitete das Ausbleiben der ersehnten Ankunft Christi Sorge. Die gewaltigste Wirkung des danach einsetzenden kirchlichen und geistigen Aufschwungs im Abendlande war im 11. Jahrhundert die Kreuzzugsbewegung. Es kam zur Berührung mit der Kultur der Byzantiner und des Islam. Das nie ganz versiegte und wiederaufgegriffene Gespräch mit den Juden und neuerdings auch mit den Moslems und neue Perspektiven in Kultur und Wirtschaft des Abendlandes brachten den Menschen neue Erkenntnisse auch für ihren Glauben und eine neue Sicht eschatologischer Fragen und Gedanken.
Aus dem Inhalt: Diese Abhandlung will keine «Bekehrungschrift» aus dem 12. Jahrhundert sein, sondern ist wohl eine (fingierte) Disputation, ein «Scheindialog» für die Hand des Studierenden, der sich im Gespräch mit jüdischen Gelehrten üben sollte. Darum ist der Text weitgehend frei von Polemik; er will das Anerkennen des «Messias» dem Gesprächspartner leicht machen.