Show Less
Restricted access

Meister Lius Traktate zur Erneuerung in Krisenzeiten (Liuzi xinlun)

Ein Herrscherspiegel aus Chinas 6. Jh.

Series:

Theresia Maria Tauber Arndt

Zweierlei macht den Liuzi - hier erstmals vollständig in eine westliche Sprache übersetzt - zu einem besonderen Buch. Zum einen handelt es sich um den einzigen bis heute tradierten «Herrscherspiegel» aus der unruhigen Epoche des 5./6. Jh. Zum anderen erweist sich dieses oft «eklektisch» genannte Werk als ein Text von erstaunlicher Systematik und großer gedanklicher Geschlossenheit. Letzteres mag verblüffen und tritt im Verwirrmuster der fremden Metaphern und Anekdoten auch nicht auf den ersten Blick zutage. In einer der Übersetzung beigefügten Untersuchung wird jedoch aufgezeigt, daß der gesamte Text (55 Kap.) sorgfältig durchkomponiert ist und eindeutig von einem einzelnen Autor stammt. Neben dieser Entdeckung verblaßt die Frage, ob dieser Autor tatsächlich der berühmte Liu Xie war, dessen Hauptwerk Wenxin diaolong ja ebenfalls durch Systematik beeindruckt. Wer immer Meister Liu war - sein Rat auf dem Weg vom «kleinen Menschen» zur gereiften Persönlichkeit und seine Vorstellungen von Staatslenkung sind nicht nur menschenfreundlich und undogmatisch, sondern zugleich auch gründlich durchdacht und nach wie vor beachtenswert.
Aus dem Inhalt: Übersetzung von Meister Lius «Herrscherspiegel» - Historische Rahmenbedingungen des Liuzi: Hinweise auf historisches Umfeld, Autor und Stellenwert des Textes - Der Liuzi, ein Werk aus einem Guß: Entschlüsselung von Struktur, Zielsetzung und Botschaft des Textes - Personenglossar mit Angaben zu über 300 Personen von mythischer Zeit bis ins 4. Jh.