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Nationenwerdung in Mittelasien

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Paul Geiss

Die gegenwärtige politische Realität Mittelasiens wird in der einschlägigen Literatur vor allem aus der sub- und supranationalen Perspektive analysiert. Die Beständigkeit der «neuen» mittelasiatischen Republiken erscheint daher angesichts des vereinigenden Bandes des Islams oder des historisch gewachsenen Turkestans fragwürdig. Dabei wird übersehen, daß die künstlich geschaffenen Sowjetrepubliken ein beachtliches nationales Bewußtsein hervorbrachten. Die Teilung Mittelasiens in ethnisch homogenere Siedlungsgebiete und die prägende Kraft staatlicher Institutionen (Sprach- und Bildungspolitik) waren am Nationenwerdungsprozeß maßgeblich beteiligt. Dieser bis in die 20er Jahre zurückreichende Prozeß entwickelte eine von den Sowjets ungewollte Eigendynamik und spiegelt die mittels des Staats erfolgte, sich über Jahrhunderte erstreckende Konsolidierung europäischer Nationen im Zeitraffer wider.
Aus dem Inhalt: Geographische Abgrenzung - Sowjetische Machtergreifung und Widerstand der Mittelasiaten - Teilung Mittelasiens in Sowjetrepubliken - Bildungs- und Sprachpolitik - Sowjetisierung und Modernisierung - Nationalismus und mittelasiatische Nationen.