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Die Theorie der Sympathie

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Jürgen Richter

Wie kaum ein anderes Wort wurde Sympathie seit seiner «Erfindung» in der Zeit der klassischen griechischen Antike zur Benennung und Beschreibung der unterschiedlichsten Phänomene gebraucht. Die Entwicklung des Wortes Sympathie ist daher auch alles andere als kontinuierlich. Sie ist vielmehr von Sprüngen und Verwerfungen gezeichnet und weist so manche Denk- und Merkwürdigkeit auf. Sympathie beschreibt, je nach dem, naturphilosophische, technisch-physikalische, medizinische oder magisch-mystische Erscheinungen. Ganze Philosophien, wie beispielsweise die des großen Poseidonius, gründeten auf einem spezifischen Verständnis von Sympathie. Doch so konsequent wie von diesen Philosophen wurde der Begriff von anderen nicht gebraucht. Wechselweise wurde Mitleid und Sympathie synonym, alternativ, komplementär oder divergent gebraucht. Einen Einblick in den Gebrauch des Wortes über die Jahrhunderte zu geben ist das Anliegen dieser Studie. Dabei kommt sie zu dem Ergebnis, daß Sympathie ursprünglich und eigentlich ein Begriff des naturphilosophischen Denkens ist. Dies wird erreicht durch die gezielte Analyse noch erreichbarer schriftlicher Zeugnisse und deren Einordnung in den Prozeß der abendländischen (Kultur-)Geschichte. So entsteht ein chronologisches und sachlogisches Gerüst, das es erlaubt, erste Position zu beziehen und Interpretationen zu wagen.