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Rollenspiel und Selbstinszenierung

Zur Modellfunktion des Theaters in Jean Pauls «Titan» und «Komet»

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Heike Döll

Rollenspiel und Inszenierung sind zentrale Begriffe für die Romanästhetik und Romanpraxis Jean Pauls. Bei ihm hat das Theater nicht nur die Aufgabe, Spielräume individueller Autonomie zu vermessen, sondern auch die Bedingungen darzustellen, unter denen sich das Subjekt in einer zunehmend sekundären Erfahrungswirklichkeit selbst artikuliert und anderen mitteilt. Während der Erzähler im Spätwerk über die Vorstellung, Erzählen sei Rollenspiel im Medium des inszenierten Diskurses, noch einmal seine Autorität und Originalität behaupten kann, steht das Bild des Theaters in den Fabeln des «Titan» und «Komet» für den Prozeß der gewaltsamen Anpassung an ein dem Subjekt immer schon vorausliegendes Identifikationsmuster - ein verfehlter Anspruch individueller Freiheit, der im «Titan» noch im Horizont der Kritik erscheint und sich im «Komet» bereits zum Gegenstand von Parodie verflüchtigt hat.
Aus dem Inhalt: Funktionen des Fiktiven im Kontext der gattungstheoretischen Parallelisierung von Roman und Drama - Zur Funktionsbestimmung des Dramatischen bei Lessing - Die Vorbildfunktion des Dramas für die Romantheorie und -praxis des 18. Jahrhunderts - Die Romantheorie Jean Pauls - Der inszenierte Diskurs im «Titan» - «Spiele der Wiederholung»: Die Bildungsgeschichten im «Titan» - Theatermodell und Theaterwahn im «Komet».