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Krisenliteratur

Zur Rhetorizität und Ambivalenz in der isländischen Sagaliteratur

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Thomas Fechner-Smarsly

Die originäre Gattung der isländischen Sagas ist geprägt von Konflikten, deren teils friedliche, teils gewalttätige Lösung ein vordringliches Thema ihres Erzählens darstellt. Die Untersuchung fragt danach, ob und wie im narrativen Ablauf Symptome einer gesellschaftlichen Krisensituation unterschwellig thematisiert, also im doppelten Sinne des Wortes «zur Sprache gebracht» werden. Anhand der Lektürepraxis Paul de Mans, einer dekonstruktivistischen Fortsetzung des close reading, werden die latenten Widersprüche der Gesellschaft als Ambivalenzen auch und gerade des Erzählens markiert. Darin zeigt sich exemplarisch die Ambivalenz von Literatur auch in einem so eng umgrenzten Bereich wie dem nordischen Mittelalter: einen Wirklichkeitssinn und eine Möglichkeitsform zugleich zu besitzen. Es geht um Literatur als imaginative Durcharbeitung von Konflikten, als ein kollektives imaginäres Gedächtnis.
Aus dem Inhalt: Zum Begriff der Krise und dessen Verhältnis zur Erzählung - Die isländische Gesellschaft im 13. Jahrhundert - Zu Rhetorizität und Ambivalenz - Die Lektürepraxis Paul de Mans - Hierarchie in der Krise - Krise und Diplomatie.