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Von der Darstellung des Holocaust zur «kleinen Apokalypse»

Fiktionale Krisenbewältigung in der polnischen Prosa nach 1945

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Wolfgang Schlott

Ausgehend von der Poetik des Katastrophismus untersucht die Publikation an drei Textmodellen (Prosa von Tadeusz Borowski, Tadeusz Rózewicz, Leopold Buczkowski), welche Arten von fiktionaler Krisenbewältigung bedeutende Vertreter der 1956er Generation (Jerzy Andrzejewski, Kazimierz Brandys, Tadeusz Konwicki) und der 1968er Generation (Janusz Glowacki, Marek Nowakowski, Kazimierz Orlos, Janusz Anderman) unter den politischen Bedingungen der polnischen Irrealität entwickelt haben. Ihre literarischen Entwürfe, in denen Begriffe wie Geschichtslosigkeit, Lähmung, Revolte, pathologische Antriebslosigkeit, Groteske, Ironie und Apokalypse textbewegende Funktionen haben, bilden die Grundlage der Untersuchung. Sie findet ihren Abschluß in einem typologischen Überblick über die Auswirkung der Jahrhundertkatastrophe auf die polnische Prosa und mündet in die Einsicht, daß die radikalen ästhetischen Normenbrüche in den Texten der 1940er Jahre aufgrund von Zensur und Publikationsverboten sich erst mit erheblicher Zeitverzögerung entfalten konnten.
Aus dem Inhalt: Poetik des Katastrophismus in der polnischen Literatur und deren Verarbeitungsmuster in der Literaturwissenschaft - Ästhetischer Normenbruch und Aufhebung von narrativer Linearität in den Texten von Tadeusz Borowski, Tadeusz Rózewicz und Leopold Buczkowski - Die äsopische Verhüllung von Repression und die unverhüllte Beschreibung von Machtmißbrauch, Geschichtsfälschung und tölperhafter Demagogie in den Erzählwerken von Jerzy Andrzejewski, Kazimierz Brandys und Tadeusz Konwicki - Fiktionale Krisenbewältigung in der unabhängigen polnischen Prosa der siebziger und achtziger Jahre (Janusz Glowacki, Marek Nowakowski, Kazimierz Orlos, Janusz Anderman) - Psychische und mentale Nichtbewältigung der Katastrophe des Holocaust.