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Rentiers, Patrone und Gemeinschaft: soziale Sicherung im Libanon

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Brigitte Rieger

Globalisierung führt nicht zwangsläufig zur Durchsetzung profitorientierter Marktvergesellschaftung, moderner Sozialbeziehungen und der Demokratisierung des politischen Systems. Dies ist die überraschende Einsicht dieses Buchs, das am Beispiel des in verschiedene religiöse Gemeinschaften zersplitterten Libanons vor dem Hintergrund massiven Staatsversagens die sozialen Sicherungssysteme vier ausgewählter Gemeinschaften vergleicht. Ausgehend vom größten Anbieter sozialer Sicherung, der islamistischen Hizb Allah, werden andere schiitische Bewegungen, aber auch das Spektrum sozialer Sicherung innerhalb der maronitischen, sunnitischen und drusischen Gemeinschaft beleuchtet. Der Autorin gelingt es dabei am Beispiel des Politikfelds der Sozialpolitik zu zeigen, dass das Ergebnis des Eindringens «des Westens» nicht unbedingt Modernität und gesellschaftliche Moderne sind, sondern Anpassungsprozesse ausgelöst werden, in denen Elemente der Moderne zwar aufgenommen werden, die alten, auf Patronage und Klientelismus gegründeten, Machtstrukturen aber weiter bestehen.
Aus dem Inhalt: Politische und ökonomische Rahmenbedingungen: vom fragilen Konkordanzstaat zur Pax Syriana – Die gemeinschaftsunabhängige nicht-staatliche soziale Sicherung: die Rolle von Familie, Klientelverband und Netzwerken und ihre Grenzen – Das öffentliche Netz sozialer Leistungen: das Versagen der staatlichen Sozialversicherung – Soziale Sicherung der schiitischen Gemeinschaft: die Hizb Allah als größter Anbieter von sozialer Sicherung – Soziale Sicherung der maronitischen Gemeinschaft: erste rational-bürokratische Ansätze – Soziale Sicherung der sunnitischen Gemeinschaft: Absicherung klientelistischer Strukturen und politischer Vorherrschaft – Soziale Sicherung der drusischen Gemeinschaft: das «feudale» Modell – Vergleich und Resümee: Modernisierung des Klientelismus und Chancen der Partizipation.