Show Less
Restricted access

Balzacs «Séraphîta» und die Konstruktion des Nordens im Modus der romantischen Phantastik

Series:

Cornelia Soetbeer

Séraphîta gehört zu jenen Werken Balzacs, die sich mit ihrem lange Zeit als krude oder unverständlich gescholtenen Mystizismus in ein noch immer marxistisch-sozialgeschichtlich dominiertes Realismus-Konzept nicht fügen wollen. Diese Studie widmet sich hingegen dem Mystiker und dem Phantastiker Balzac und zeigt das sowohl in literarischer als auch in philosophisch-theologischer Hinsicht romantische Erbe dieses ‘realistischen’ Erzählers. Der ausgesprochen phantastische Roman Séraphîta wird hier im Horizont der überlieferten ‘Bilder vom Norden’ sowie ideologischer, wissensgeschichtlicher und literarhistorischer Zusammenhänge rekontextualisiert. Wir begegnen dabei einer Bündelung diskursiver und imaginativer Konzeptualisierungen des ‘Nordens’, die über diesen Einzelfall hinaus exemplarisch für die Entwicklung einer ‘postromantischen’ europäischen imaginatio borealis im 19. Jahrhundert sind.
Aus dem Inhalt: Die Konstruktion des Nordens in Frankreich von der Frühaufklärung bis zur Romantik – Diskussion verschiedener Definitionen literarischer Phantastik – Triangulation von moderner Episteme, romantischer Literatur und phantastischer Ambiguierung – Swedenborg-Rezeption in Frankreich und dessen literarische Stilisierung – Funktionalisierung von Androgynie, norwegischer Landschaft und Licht im Hinblick auf die Konstruktion des Nordens – Jenseits, Askese und Reinheit eines mystisch überhöhten Nordens vs. Diesseits, Verausgabung und Dekadenz eines leidenschaftlichen Südens.