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Römisch-Germanische Doppelgängerschaft

Eine ‘palimpsestuöse’ Lektüre von Kleists "Hermannsschlacht</I>

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Pierre Kadi Sossou

Kleists Drama Die Hermannsschlacht ist nicht, wie bisher überwiegend behauptet, im Sinne einer deutschnationalen Ideologie konzipiert. Sie ist vielmehr ein Laboratorium der Vermischung von Kulturen. An Genettes Konzept der Intertextualität anknüpfend, liest der Autor Die Hermannsschlacht als Hypertext von Ciceros De officiis und Ovids Ars amatoria, die das Drama nach Art eines ‘Palimpsests’ überlagert. Aus der ‘palimpsestuösen’ Lektüre ergibt sich, dass Kleist seine germanischen Helden Hermann und Thusnelda sich mit einem römischen Moralkodex gegen den römischen Überfall zur Wehr setzen lässt. Hermann operiert mit einer genauen Kenntnis des römischen Kriegsrechts. Er kämpft mit geistig-politischen und rechtlichen Waffen seiner Gegner und kann daher nicht als ein brutaler Fundamentalnationalist erscheinen, der rücksichtslos rechtswidrig agiert. Seinen Sieg über Varus verdankt er nicht einem exzessiven Chauvinismus, sondern seiner kulturellen Hybridität.
Aus dem Inhalt: Double – Mischidentität – Hermann/Arminius als literarischer Prototyp kultureller Hybridität – Hypertextualität – Ciceros Kriegsrecht – Bellum iustum – Nulla poena sine lege – Iusta arma – Ovids «Liebeskriegsrecht» – Thusnelda als Doppelgängerin von Juno – Göttliche Strafe – Maskenspiel – Verstellung – Arglist – Betrug – Wahrsagung – Alraune – Kriegskunst – Liebeskunst.