Show Less
Restricted access

Zustand der Dichtung

Interpretationen zur Sprachlichkeit des «anderen Zustands» in Robert Musils «Der Mann ohne Eigenschaften»

Series:

Gerd-Theo Tewilt

Zu zeigen, daß die Wahrheit der Literatur, die Musil als die Einheit von Gefühl und Verstand erkannte, nicht begrifflich, also z.B. philosophisch, soziologisch oder psychoanalytisch, sondern nur sprachlich einzulösen ist, unternimmt die folgende Arbeit. Was hier sprachlich emphatisch gegenüber möglichen begrifflichen Reduktionen bedeutet, erscheint im «Mann ohne Eigenschaften» als «anderer Zustand».
Der «andere Zustand» ist der Ursprungszustand der Weltauslegeung. Dieser Zustand erscheint darum nie rein, sondern in seinen jeweiligen Gestalten. Das sind im Roman nicht nur die mystische Erfahrung, mit der der «andere Zustand» gelegentlich gleichgesetzt wurde, sondern ebenso die aus dem Verhältnis von «Gleichnis» und «Eindeutigkeit» resultierenden. «Gleichnis» steht dabei sowohl für das ursprüngliche Verfahren der Sprache, Sinnlichkeit und Bedeutung zu verknüpfen wie für alle in ihr erscheinende Welterfahrung, die nicht einen der beiden Momente unterdrückt. «Eindeutigkeit» umfaßt alle Formen unmittelbar praktischen Weltverhaltens von der der archaischen Gewaltanwendung bis zur modernen Technik, die «der Notdurft des Lebens» entspringen, d.h. der Lebenserhaltung dienen sollen.
Wie sich der Geschichtsprozeß aus diesen beiden antropologischen «Grundverhaltensweisen» bildet und vom Verhalten der Figuren zu ihren unbegrifflichen Erfahrungen, dem «anderen Zustand», getrieben wird, stellt die Arbeit in vier Kapiteln dar: Sprache und Mystik: Zur Logik des Mystischen im «Mann ohne Eigenschaften» – Die Dialektik von «Gleichnis» und «Eindeutigkeit» – Erfahrung des Gleichnisses: Sprachstufen im «Mann ohne Eigenschaften» – Epilog: «Die Reise ins Paradies».