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Wilhelm und Rosina

Ein ländliches Gedicht- Nachdruck der Ausgabe München 1835.

Prof. Heinrich Meyer

Zu den seltensten Bücher des neunzehnten Jahrhunderts gehört ein Versidyll in der Art von «Hermann und Dorothea». Um es vor dem Untergang zu retten, erscheint ein Neudruck mit einem Nachwort von Professor Heinrich Meyer von der Vanderbilt University. Meyer erzählt darin, dass seine amerikanischen Doktoranden von Melchior Meyr meinten, er sei besser als Goethe, weil er so wahr und echt seine Liebesgeschichte hinstellen konnte, dass man sie noch heute lebendig miterlebe. Das Nachwort versucht im übrigen, der reinen und wahren Menschlichkeit des schwäbischen Poeten gerecht zu werden, indem es einige amüsante Lichter auf den Künstler und Dichter wirft, der eine wirkliche Welt zu schaffen wusste. Es werden dabei Detektivromane, Karl May und Gotthelf beigezogen. Da der alte Goethe von seiner Gewohnheit abging, auf eingesandte Gedichte mit einem Formular zu antworten, und dem jungen Poeten einen langen und liebeswürdigen Brief schrieb, worin er ihn vor dem Dichterberuf warnen wollte, muss er wohl auch etwas Ungewöhnliches bei Meyr empfunden haben. Nun liegt das Buch wieder vor, in begrenzter Auflage, und wird den Kennern und Liebhabern, den Folkloristen und Sammlern auch als Anlage, vor allem aber als poetisches Kunstwerk empfohlen. Melchior Meyr (1810-1871) entstammte der Nördlinger Gegend, die er später in den «Erzählungen aus dem Ries» feierte, den lebensvollen novellistischen Charakterbildern aus seiner Heimat. Ein Glied des Münchner Kreises, den Maximilian II. v. Bayern seit 1852 um sich versammelte und dem u.a. Emanuel Geibel, Paul Heyse und Felix Dahn angehörten, besang Meyr in seiner Idylle «Wilhelm und Rosina» die ländliche Liebesgeschichte zwischen Knecht und Meistertochter. Die acht Gesänge wirken durch die Echtheit des Milieus und der Charaktere.