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«Aula memoriae»

Zu Gestalt und Funktion des Gedächtnisraums im «Tristan» Gottfrieds von Straßburg und im mittelhochdeutschen Prosa-Lancelot

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Alexander Kolerus

Am Beispiel zweier zentraler Texte der deutschen Literatur des Mittelalters unternimmt das Buch eine Deutung unter dem Gesichtspunkt augustinischer Gedächtnistheorie. Im Mittelpunkt stehen dabei die Liebesgrotte in Gottfrieds Tristan und das Bildergefängnis im Lancelot-Gral-Zyklus, die als räumliche Gedächtnismetaphern interpretiert werden. Neben der Darstellung psychologisch relevanter Memorialprozesse kommt dabei eine Interpretationsperspektive zur Anwendung, die in vielen Fällen ein verändertes Licht auf den jeweiligen Gesamttext wirft. Im close reading wird so ein Textverständnis erarbeitet, das die jeweilige Memoria-Thematik aus ihrer bisher häufig verklärenden, religiösen oder gesellschaftsutopischen Vereinnahmung löst und sich als Basis für künftige Gesamtdeutungen versteht.
Aus dem Inhalt: Ruminatio als Rezeptionsprogramm weltlicher Texte – Mythos als Repräsentationsraum antigesellschaftlicher Passion – Genealogie und Konvention in mittelalterlichen Gesellschaften – Psychologie des Ritters im Raster augustinischer Seelentheorie – Exorbitanz im Spannungsfeld von Passion und Konvention – Zur Frage der Individualität im Mittelalter.