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Gegen Folter und Todesstrafe

Aufklärerischer Diskurs und europäische Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Helmut C. Jacobs

1764 erschien das Buch Dei delitti e delle pene ( Über Verbrechen und Strafen) des jungen Mailänders Cesare Beccaria, das im vorrevolutionären Europa eine fulminante Wirkung hatte, die bis heute anhält. Beccaria plädiert in seiner Schrift für die Abschaffung von Folter und Todesstrafe. Das Thema hat nichts von seiner Aktualität verloren, angesichts der Tatsache, daß Folter und Todesstrafe in vielen Ländern immer noch praktiziert werden, auch in demokratischen Staaten, die sich grundsätzlich auf die humanitären Grundwerte der europäischen Aufklärung berufen. Der Name von Cesare Beccaria und das zähe Ringen aufgeklärter europäischer Intellektueller und engagierter Autoren um die Abschaffung der Todesstrafe sind nahezu ganz in Vergessenheit geraten. So ist es ein wichtiges Anliegen des interdisziplinären Bandes, den aktuellen Diskussionen über Folter und Todesstrafe wieder eine kulturhistorische Tiefendimension zu erschließen. Im Mittelpunkt der vierzehn Beiträge aus den Disziplinen Anglistik, Germanistik, Geschichte, Philosophie, Rechtswissenschaft und Romanistik stehen die internationale Rezeption von Cesare Beccarias Schrift Dei delitti e delle pene im Kontext der europäischen Aufklärung sowie die entsprechenden Debatten im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert sowie in der Gegenwart.
Aus dem Inhalt: Helmut C. Jacobs: Vorwort – Alexander Bojčević: Die Todesstrafe in noch 73 Staaten. Eine aktuelle Standortbestimmung aus der Sicht von amnesty international – Rudolf Freiburg: «The slow progress of human reason»: Samuel Johnsons Einstellung zur Todesstrafe – Andreas Gipper: Von Beccaria zu Sade. Das Verbrechen, der Staat und das Problem der Gewalt – Helmut C. Jacobs: Die Beccaria-Rezeption in Spanien – Siegfried Jüttner: Die Zweischneidigkeit der Vernunft oder die Ästhetik des Widerstandes in El siglo de las luces von Alejo Carpentier – Sven Kramer: Ästhetik des Wegsehens. Tendenzen der Folterdarstellung in der deutschsprachigen Prosaliteratur des ausgehenden 18. Jahrhunderts – Jürgen Martschukat: «Bislang hat uns die Geschichte ausschließlich das Wesen schlechter Regierung gelehrt»: US-amerikanisches Reformdenken in der Zeit von Revolution und früher Republik und die Rezeption Cesare Beccarias – Hans-Joachim Pieper: «Hat er aber gemordet, so muß er sterben»: Klassiker der Philosophie zur Todesstrafe – Wolfgang Rother: Zwischen Utilitarismus und Kontraktualismus: Beccarias Kritik an der Todesstrafe im philosophischen Kontext – Gisela Schlüter: Der Barbarendiskurs: Coetzee, Buzzati – Joachim Schulz: Die Ausweitung des Folterbegriffs unter menschenrechtlichen Aspekten – Volker Steinkamp: Condorcet und der Königsprozeß - oder vom Kampf gegen die Todesstrafe im Frankreich der Revolution – Ralf Stoecker: Todesstrafe und Menschenwürde – Thomas Vormbaum: Beccaria und die strafrechtliche Aufklärung in der gegenwärtigen strafrechtswissenschaftlichen Diskussion.