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Verweigerte Entstalinisierung

Die Beziehungen des «Literatursystems DDR» zur Sowjetunion 1961-1989

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Tanja Walenski

Das Legitimationsdefizit als halbe Nation trug dazu bei, dass die DDR der UdSSR nicht immer gefolgt ist. Gegenüber der Liberalisierung des «Tauwetters» in den 1960er und der «Perestrojka» in den 1980er Jahren zeigte sich das Literatursystem restriktiv: Ein Gedicht von Evtušenko und eine Erzählung von Solženicyn wurden zensiert, ein Roman von Granin bis zur Wende verzögert. Haben Reiner Kunze und Harry Thürk den Fall Solženicyn literarisch konträr verarbeitet, so zeigt auch deren Rezeption das Bestreben, Modernität, Kommunikation und Öffentlichkeit zugunsten des offiziellen Leitdiskurses einzudämmen. Literatur wird als Handlungs- und Symbolsystem konzeptualisiert, so dass Archivdokumente integriert und Texte in ihren kulturpolitischen Kontexten produktiv gemacht werden konnten.
Aus dem Inhalt: Relikte des Stalinismus und Personenkults im «Literatursystem DDR»; Kritik aus der Sowjetunion von Ilja Fradkin und Franz Leschnitzer – Persona non grata in der DDR: Evgenij Evtušenko; die öffentliche Bedeutung des Weltbürgers; das nicht publizierte Gedicht Stalins Erben (1961), Besuch der BRD 1963 - Plädoyer für die deutsche Wiedervereinigung – Tendenzen der kulturpolitischen Selbstisolierung; COMES-Tagung in Leningrad 1963, Kafkas Erzählung Vor dem Gesetz – Der Fall Aleksandr Solženicyn; der Intellektuelle und die Macht; die nicht publizierte Lagererzählung Ein Tag des Ivan Denisovič (1962); Erklärung des Schriftstellerverbandes zur Nobelpreisverleihung 1970, Attacken 1974 im «Neuen Deutschland» – Solidarität mit dem Dissidenten Solženicyn: Reiner Kunze und seine Gedichte und Prosatexte Deutschland Deutschland (1968), Rede auf Russland (1969), 8. Oktober 1970 (1970), Literaturunterricht (1976), Gefangen (1976). Kolportageroman gegen den Dissidenten: Harry Thürks Der Gaukler (1978) – Verhinderte Modernisierung seit Mitte der 1980er Jahre: Ostdeutsche Reaktionen auf die Perestrojka; Daniil Granins Roman Sie nannten ihn Ur (1987).