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Paladine auf Abwegen

Formen und Ausdrücke religiöser Indifferenz in Luigi Pulcis "Morgante</I>

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Joachim Wink

Die Verspottung christlicher Glaubensdogmen und christlicher Kreuzzugsideologie, so wie sie im Morgante des florentinischen Dichters Luigi Pulci (1432-1484) besonders deutlich zum Ausdruck kommt, steht in schärfstem Widerspruch zu unseren klischeehaften Vorstellungen über die Religiosität des «mittelalterlichen Menschen». Daß es keinen Sinn macht, ein bereits zu Lebzeiten seines Verfassers dringend nachgefragtes und tausendfach gedrucktes Werk in seinen bemerkenswertesten Aussagen fortgesetzten Relativierungsbemühungen zu unterziehen und an Stellen, wo dies nicht gelingen will, auf den Autor kurzerhand das atypische Sonderbewußtsein eines Außenseiters oder Geächteten zu projizieren, wird hier durch textnahe Analysen und unter kontinuierlichem Abgleich mit Pulcis dichterischen Vorlagen vor Augen geführt. Grundliegende These ist, daß der Morgante als wichtiger Indikator für die Existenz breiter Bevölkerungsschichten zu betrachten ist, die bereits im 15. Jahrhundert gegen eine ideologisch und institutionell krisenhaften Belastungsproben ausgesetzten Kirche ein gutes Stück Aufklärung durchgesetzt haben.
Aus dem Inhalt: Zum Filiationsverhältnis Orlando-Morgante und seiner Bedeutung für die Untersuchung – Die Auflösung des christlich-heidnischen Antagonismus – Verfluchung der heidnischen und der christlichen Gottheit – Heidenbekehrung und Heidentaufe – Fortuna – Analyse einzelner Episoden: 1. Die wundersame Sturmstillung (M. XX) - 2. Die drei «heiligen» Eremiten (M. XXI) - 3. Die wundersame Speisung Rinaldos und Fuligattos (M. XXI) - 4. Eine Variante der Ringparabel (M. XXV) - 5. Exkurs: Pulci und Marsilio Ficino (unter Berücksichtigung Pulcis antificinianischer Sonette) - 6. Astarotte (M. XXV) - 7. Orlandos Himmelfahrt (M. XXVII) - 8. Der Stillstand der Sonne (M. XXVII) - 9. Saragossa (M. XXVII) - 10. Über den Umgang mit besiegten Königen (M. XXVII).