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Repräsentation und Wissenskulturen

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Hans Jörg Sandkühler

Eine der Kernfragen auch der gegenwärtigen Erkenntnis- und Wissenstheorie lautet, wie im menschlichen Wissen Wirklichkeit entsteht. Was meinen wir, wenn wir sagen, wir hätten etwas erkannt und wüssten es? Wissen ist ein Ergebnis von Erkennen. Von Gewissheit sprechen wir, wenn wir von der Wahrheit des Erkannten überzeugt sind. Wie aber sprechen wir sinnvoll von Wahrheit, wenn wir der Annahme einer durch das Sein selbst garantierten Übereinstimmung zwischen Gegenstand und Aussage kein Vertrauen mehr schenken? Die moderne Kritik der Möglichkeitsbedingungen von Wissen hat zu der Einsicht geführt, dass Aussagen keine Abbilder des zu Erkennenden sind, sondern mit Voraussetzungen geladene Artefakte: geladen mit epistemischen und praktisch-sozialen Voraussetzungen, Bedürfnissen und Interessen sowie mit Einstellungen zu Propositionen – Einstellungen des Meinens, Glaubens und Überzeugtseins, des Wünschens und Befürchtens. Wissen entsteht ‘nach Menschenmaß’ in Konstellationen des Repräsentierens, in Wissensordnungen, in Wissenskulturen.
Aus dem Inhalt: Raúl Fornet-Betancourt: Begegnung der Wissenskulturen als Weg zum Wissen, das wir wissen sollten – Hans Jörg Sandkühler: Wissenskulturen, Überzeugungen und die Rechtfertigung von Wissen – Luigi Pastore: Gemeinsamkeit und gemeinsame Erfahrungen. Die intrinsischen und extrinsischen Eigenschaften des Verstehens – Sara Dellantonio: Kognitionswissenschaften und menschliche Natur: Diskussion eines Fallbeispiels – Silja Freudenberger: Repräsentation und Fehlrepräsentation – Simon Deichsel: Wissenskulturen - Was kann die ökonomische Theorie der Standards beitragen? – Jochen Bonz: Wissenskulturen zwischen Wissen und Nichtwissen. Beobachtungen an zwei Erscheinungsformen des Aussagebegehrens in einem interdisziplinären Doktorandenkolleg – Marco Innamorati: Die psychoanalytische Erfahrung zwischen Natur und Kultur – Francesco Saverio Trincia: Ethik zwischen Naturalismus und religiösem Glauben.