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Spurensicherung

Der Komponist Ernst Toch (1887-1964) – Mannheimer Emigrantenschicksale

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Hermann Jung

Verfolgte Musik – verfolgte Kunst – verfolgte Literatur: Die Spuren der Menschen, die im 20. Jahrhundert davon betroffen waren, verlieren sich allmählich. Sie dem Vergessen zu entreißen, sie zu sichern und im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bewahren, dient dieser Band mit CD (Klavierwerke von Ernst Toch). Literaten, bildende Künstler und Musiker, die geistigen Eliten des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens generell, sahen sich im Nationalsozialismus zunehmend Nachstellungen aus politischen und rassistischen Gründen ausgesetzt. Aus Furcht vor Gefängnis, Folter und Tod blieb für viele nur der Ausweg, ihre angestammte Heimat und geistige Wirkungsstätte zu verlassen. Manche suchten im Widerstand oder in unterschiedlichen Formen der «inneren Emigration» eine Chance zum Überleben. Solche Schicksale gab und gibt es auch in Mannheim. Ernst Toch, rasch zu internationalem Ruhm gelangt, bildet dabei mit mehreren auf sein Leben und Schaffen bezogenen Untersuchungen einen geistigen Orientierungspunkt. «Ich bin der meistvergessene Komponist des 20. Jahrhunderts», so resümierte er kurz vor seinem Tode. Ein zweites Beispiel ist der Kunsthändler Herbert Tannenbaum, der wie kein zweiter das Mannheimer Kulturleben geprägt hat. Sein Porträt von Max Beckmann hängt heute in der Kunsthalle. In weiteren Beiträgen eröffnet sich dem Leser ein umfassender Blick auf das politische, soziale und künstlerische Milieu der 20er und 30er Jahre einer Stadt, die 2007 ihr 400-jähriges Gründungsjubiläum feiern kann.
Aus dem Inhalt: Martin Zenck: Die unterdrückte und verfolgte Geschichte als Teil der Geschichtsschreibung. Probleme ihrer Integration? Zu Kompositionen von Stefan Wolpe, Erich Itor Kahn, Karl Amadeus Hartmann und Pierre Boulez um 1945 – Hermann Simon: Neue Quellen zum Novemberpogrom - Mannheim – Andreas Kloner: Die Klavierlehrerin. Auf den Spuren von Ernst Tochs musikalischer Mentorin in Wien – Klaus Wolfgang Niemöller: Ein «rheinisches Jungtalent». Ernst Toch im Rheinland der 1920er Jahre – Heiko Schneider: «Der wahrhaftige Künstler aber ‘experimentiert’ nicht». Ernst Toch in Mannheim 1919-1029 – Michael Polth: Zwischen Gestaltpsychologie und Funktionalität. Anmerkungen zur Melodielehre von Ernst Toch – Constanze Stratz: Ernst Tochs Emigrantenjahre in Amerika, unter Berücksichtigung seines symphonischen Schaffens – Michael Kube: Eckpunkte des Schaffens. Zu den Streichquartetten Ernst Tochs – Heidrun Kämper: Siegfried Einstein - Dichter, Emigrant, Zeitkritiker – Frederek Musall: Rückfahrkarte nach Utopia? Über die «Enttäuschte(n) Hoffnung(en)» des Ernst Bloch – Esther Graf: Faszination Moderne: Der Sammler und Mäzen Sally Falk – Christmut Präger: Der Mannheimer Kunsthändler Dr. Herbert Tannenbaum (1892-1958) – Inge Herold/Christmut Präger: Verfolgung und Rückkehr. Zur Geschichte des Gemäldes «Pierrette und Clown» von Max Beckmann – Hans-Joachim Hirsch: Moritz Lederer - ein europäischer Grenzgänger unter dem Druck der Diktatur. Das ungewöhnliche Schicksal eines Mannheimer Juden – Susanne Schlösser: Max Sinzheimer als Dirigent und Programmgestalter des jüdischen Männergesangvereins Liederkranz in Mannheim 1919-1938 – Joachim Hemmerle: «Äußerlich mehr eine Bude als ein Musentempel ... Um so strahlender der Glanz der Aufführungen!» Das Mannheimer Apollo-Theater in G 6 als Schaubühne der Weimarer Republik.