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Zur inhaltlichen Gestaltung einer Kurzfassung

Eine verkürzte ‘Nibelungen-Klage’ als Fortsetzung des ‘Nibelungen-Liedes’

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Christina Kiehl

Diese Untersuchung der ‘Nibelungen-Klage’ *J bietet erstmals die umfangreiche inhaltliche Darstellung einer lange ignorierten Fassung der ‘Nibelungen-Klage’. In der Kurzfassung *J ist der Text der ‘Klage’-Langfassung *B auf ein Viertel gekürzt. Durch einen detaillierten Versvergleich belegt die Autorin die bewusste Gestaltung der *J-‘Klage’: Die Frauenfiguren rücken in den Vordergrund. Die Wiederholung der ‘Nibelungen-Lied’-Handlung sowie die Trauer- und Schlachtschilderungen, deren ausufernde Beschreibung sonst kritisiert wird, fallen weitgehend aus. Auffällig ist die Kürzung der christlichen Elemente, durch die die Kurzfassung keine Einordnung der ‘Lied’-Handlung in christliches Denken mehr bietet. Der Fokus liegt in der Kurzfassung auf dem zukunftsweisenden Ende in Worms, nicht mehr – wie in der Langfassung – auf der positiven Heimkehr Dietrichs von Bern. Die inhaltlichen Ergebnisse werden durch die eigene Initialensetzung der Fassung *J bestätigt. So entstand fast nur durch Kürzungen und mit kaum eigenen Versen ein kohärenter Text mit neuen Schwerpunkten.
Aus dem Inhalt: Inhaltliche Darstellung der ‘Nibelungen-Klage’-Kurzfassung *J im Vergleich zu *B – Eigenständige Schwerpunktsetzung der Kurzfassung: Frauenfiguren im Vordergrund, Streichung von Schlachtschilderungen und Heldenpreis, Kürzung der Klagedarstellungen, Fortsetzung des ‘Liedes’ mit Schwerpunkt auf dem zukunftsweisenden Ende in Worms, kein positiver Abschluss des Dietrichlebens, keine Einordnung in christliche Denkkategorien – Bestätigung der inhaltlichen Ergebnisse durch eigene Initialensetzung.