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Glaube und Fiktion im «Orlando Furioso»

Auskultation eines einbalsamierten Korpus’ und Rekonstruktion blasphemischen Lachens

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Joachim Wink

Eine jahrhundertealte Gelehrtenrezeption hat den Orlando Furioso zu etwas anderem gemacht, als er eigentlich ist. Durch Eingrenzung der vom Autor intendierten Leserschaft auf ein höfisches bzw. humanistisch gebildetes Publikum wurde ein Werk, das mehrheitlich vom städtischen Bürgertum bis hinab zu den Unterschichten rezipiert wurde, zweier seiner wesentlichsten Charakterzüge beraubt: des blasphemischen Lachens und der Herrschaftskritik. Mittels genauer Textanalyse und konsequenter Ausdeutung der berüchtigten ironia ariostesca wird hier gezeigt, wie sich verwirrende Komplexität zu einem kohärenten Sinnsystem ordnen läßt, in denen die battute des Autors wie Glockenschläge widerhallen, die den Sturm der Reformation einläuten.
Aus dem Inhalt: Labyrinth oder Gebäude? – Ironia ariostescaRitterliche Idealität – Die Bibel als literarische Fiktion – Ariosto und Pulci – Allmacht Amors? – Über das Lachen – Theodizee – Defensio Christianitatis? – Ökonomie göttlichen Strafens – Käse und Würmer – Der Santissimo Eremita – Jenseitsreise und Diesseitsvision – Astolfo – Beim Senapo – Im Inferno – Im irdischen Paradies – Die Mondfahrt.