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Rolle und Individualität

Zur Funktion der Familie in Lessings Dramen

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Astrid J. Vonhausen

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, denen es um den moralischen Gegensatz von Tugend und Laster geht, unterscheidet schon der neunzehnjährige Lessing zwischen «wahren und falschen Tugenden». Er hatte erkannt, dass in der moralisch richtig gewählten Tugend ein Prinzip der Unmenschlichkeit verborgen sein kann. Damit nimmt er eine Erfahrung der modernen Psychologie vorweg, die dieses 'Prinzip der Unmenschlichkeit' in der Identifikation mit einem kollektiven moralischen Wert, einer blossen Rolle, in einem «falschen Selbst» als der Wurzel der Intoleranz wirksam werden sieht. Das Modell humanen, toleranten Handelns ist für Lessing die persönliche Beziehung der Familienmitglieder untereinander, soweit sie Ausdruck des «wahren Selbst», der Individualität ist und damit den Gegenpol zu einer feindlichen Welt bildet.
Aus dem Inhalt: Die Konstellationen des Zeitgeistes und Lessings Dramenfiguren - Die bürgerliche Ethik und Lessings Charaktergestaltung in psychologischer Sicht, dargestellt an den Dramen Der Freigeist, Die Juden, Philotas, Miss Sara Sampson, Emilia Galotti, Minna von Barnhelm und Nathan der Weise.