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Augenkur und Brautschau

Zur diskursiven Logik der Geschlechterdifferenz in Gottfried Kellers «Sinngedicht»

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Ursula Amrein

Die Rahmennovelle von Kellers «Sinngedicht» erzählt die Geschichte eines augenkranken Naturforschers, der sich auf Brautsuche begibt und im Anschauen «schöner Weibsbilder» sein Leiden kuriert. Mit dieser Heiratsgeschichte entwirft der Text eine Geschlechterkonstellation, die in den Binnennovellen aufgenommen, variiert und ausdifferenziert wird. Die vorliegende Arbeit weist nach, wie Kellers Novellenzyklus auf die kulturell codierten Muster der Geschlechterdifferenz referiert und diese über die Heiratsthematik in Beziehung setzt zur neuzeitlichen Zivilisationskritik. Bildhaft-szenisch wird darin jene geschichtsphilosophische Konstellation gestaltet, die Horkheimer/Adorno als «Dialektik der Aufklärung» beschreiben und die Kristeva kulturtheoretisch im Hinblick auf den «Effekt Frau» reflektiert.
Aus dem Inhalt: Zur Verschränkung von Geschlechterdiskurs und Geschichtsphilosophie im Begriffspaar «Kultur-Natur» - die Heirat als Figuration des Zivilisationsprozesses - Bilder männlicher Gewalt - der Mythos von Pygmalion als strukturbildendes Element der «Sinngedicht»-Novellen.