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Chancen tätiger Resignation

Zur «melancholischen Struktur» in Günter Grass' Roman «Die Rättin»

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Andrej Schulz

Günter Grass setzt sich in seinen Werken, besonders in «Aus dem Tagebuch einer Schnecke», intensiv mit dem Thema Melancholie auseinander. Grass wertet Melancholie nicht als Krankheit, sondern als Grundbestand menschlicher Existenz. Über den Melancholiebegriff versucht das vorliegende Buch anhand der «Rättin» einen neuen Zugang zu den Grass-Romanen zu gewinnen. Dabei soll der Nachweis definierter «melancholischer Strukturen» auf den Ebenen von Inhalt, Form und Erzählhaltung der absichtsvoll chaotischen Form des Romans eine einsehbare geordnete Struktur verleihen. Form und Absicht des Grass-Romans finden in der Ordnungstheorie der Gestaltpsychologie eine Parallele im Begriff der Unprägnanz, einer Unordnung, die als Aufforderung und Anlass zur Tätigkeit gilt. Die erlangte Transparenz führt zum Verständnis der Wechselwirkung von Melancholie und Utopie und lässt in den Grass'schen Romanen ein Verfahren der Utopievermittlung auf dem Wege der Melancholie erkennen.
Aus dem Inhalt: Der Grass'sche Melancholiebegriff: Melancholie als ausserordentlicher Zustand, als Erkenntniszustand der Differenz von Wirklichkeit und Utopie - Die absichtsvoll chaotische Form des Grass-Romans «Die Rättin» erscheint dank einer Definition «melancholischer Strukturen» als einsehbares geordnetes Gefüge - Die Grass'sche Dynamik von Melancholie und Utopie: ein Verfahren der Utopievermittlung auf dem Wege der Melancholie und seine Parallele in der Ordnungstheorie der Gestaltpsychologie.