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Der Topos des Neuen Menschen in der russischen und sowjetrussischen Geistesgeschichte

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Derek Müller

Der Topos des Neuen Menschen gehörte zu den zentralen Elementen der sowjetischen Ideologie und Propaganda, die allerdings spätestens seit den siebziger Jahren ihre ursprüngliche mobilisierende Funktion kaum mehr erfüllten. Die Wurzeln dieses Topos, dessen Höhepunkt in die Periode von Stalins forciertem «Aufbau des Sozialismus an allen Fronten» fiel, reichen bis weit in die vorrevolutionäre russische Geistesgeschichte zurück. Anhand von literarischen Quellen versucht die Studie aufzuzeigen, welche geistesgeschichtlichen Diskurselemente des 19. Jahrhunderts zur Entstehung des Topos vom Neuen Menschen beitrugen und wie sich diese im Umfeld von Oktoberrevolution und russischem Bürgerkrieg, während des Stalinismus und bis zum Zusammenbruch der Sowjetideologie entwickelten.
Zur Untersuchung gelangen einerseits belletristische Quellen, etwa Nikolaj Cernysevskijs politischer Aufklärungsroman Was tun?, das Frühwerk Maksim Gor'kijs, Boris Pil'njaks Bürgerkriegsroman Das nackte Jahr, Michail Solochovs frühe Erzählungen, Aleksandr Fadeevs Partisanenepos Die junge Garde, Aleksandr Solzenicyns Erzählung Ein Tag im Leben des Ivan Denissowitsch oder Aleksandr Zinov'evs Erzähl-Essay Homo sovieticus, andererseits Parteidokumente, Reden Stalins und anderer politischer Führer, die Autobiographie des Arbeiterhelden Stachanov sowie Erzeugnisse der sowjetischen Sozial- und Geisteswissenschaften.
Aus dem Inhalt: Der Topos des Neuen Menschen in der vorrevolutionären russischen Geistesgeschichte - Die Entwicklung des Topos nach der Oktoberrevolution und seine Bedeutung für die Ideologie des Stalinismus - Der Neue Mensch als Cliché der sowjetischen Propaganda während der Stagnationszeit - Anspruch und Wirklichkeit.