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«Es geht ein mächtiges Sehnen durch unsere Zeit»

Reformbestrebungen der Jahrhundertwende und Rezeption der Psychoanalyse am Beispiel der Biografie von Ernst Schneider 1878-1957

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Kaspar Weber

Ernst Schneider leitete das bernische Lehrerseminar von 1905 bis 1916. Er wurde von der Regierung gerufen, um die Schule zu reformieren, und musste zurücktreten, weil er damit Erfolg hatte. Seine Schulreform mit Kunsterziehung, freiem Aufsatz und Sozialpädagogik brachte ihn in Verbindung mit verschiedenen Bewegungen, die eine Gesellschafts- und Wirtschaftsreform anstrebten, so mit dem religiösen Sozialismus von Kutter und Ragaz, der Freiwirtschaftsbewegung von Silvio Gesell, und vor allem mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds, die das für die Schulreformer wesentliche vertiefte Verständnis des Kindes ermöglichte. Sein weiterer Weg als Psychologieprofessor in Riga und Psychotherapeut in Stuttgart und Basel führte Ernst Schneider teilweise von der Psychoanalyse wieder weg; das ermöglicht Einblicke in das Zusammenwirken verschiedener psychologischer Strömungen, auch im Zusammentreffen mit dem Nationalsozialismus.

«Seine [Webers] Studie ist...für die Lokal- und Seminargeschichte des Kantons Bern bedeutsam. Was sie zusätzlich auszeichnet, ist der gelungene Versuch, ihren Protagonisten mit Bezug auf die zeitgenössischen Debatten zu positionieren. Dabei wird klar, dass sich die Diskussionen und Kämpfe um Pädagogik, Lehrerbildung, Psychoanalyse und wirtschaftlichsoziale Ordnung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Person Schneiders spiegeln. Insofern sei die Lektüre des Bandes Bildungshistorikern ebenso empfohlen wie psychoanalytisch oder zeitgeschichtlich Interessierten.» (Hans-Ulrich Grunder, Schweizer Schule)
«Kaspar Webers Buch...bietet dem Freund der Medizingeschichte ebenso viel wie Lesern, die sich für Schul- und Erziehungsfragen oder für das Berner Geistesleben vor rund achtzig Jahren interessieren.» (B.J., Der Bund)