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Die im Chaos blühenden Zitronen

Identität und Alterität in Goethes "Italienischer Reise</I>

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Italo Michele Battafarano

Die Literarizität von Goethes Italienischer Reise (1816-29) als Erzählprosa autobiographischen Inhalts steht im Vordergrund dieser Untersuchung. Goethe erzählt in ihr am Ende einer intensiven Existenz rückblickend verklärend von seinem zweijährigen Italienaufenthalt (1786-88), als ob dieser sein Leben und seine Dichtung entscheidend geprägt hätte. Zu diesem Zweck verdichtet er in der Erzählung des realen Aufenthaltes im Süden ein Subjekt-Objekt-Verhältnis, das über den Zeitraum der Realreise hinaus lebenslang Gegenstand seiner anthropologischen, kulturgeschichtlichen und ästhetischen Reflexionen war. Über einem Raster von Realien errichtet der Weimarer eine literarische Konstruktion, die ihr Zentrum in der Definition eines vielschichtigen Ich hat. Die Reise durch ein Land, das die Kulturgeschichte Europas von der Gegenwart bis in den Mythos zurück erlebbar macht, erscheint in Anlehnung an Homers Odysseus als individueller Bildungsprozeß, als geistiges Itinerarium auf der Suche nach den Wurzeln der abendländischen Kultur im Mittelmeerraum. Sie ist ferner Sinnbild eines Prozesses der Selbstfindung in anerkennender Auseinandersetzung mit dem Fremden.
Aus dem Inhalt: Wie verhält sich Goethes Italienreise (1786-1788) zur «Italienischen Reise» (1816-1829) - Die den Text konstituierende Bildlichkeit - Theater und Theatralität als zentrale Kategorien zur Erfassung Italiens - Die Wahrnehmung der Kunst - Die Auseinandersetzung mit italienischer Alterität - Goethes Wandel zum italianisierten Deutschen - «Das römische Karneval» - Venedig, Rom, Neapel, Sizilien aus Goethes Sicht.